VNS-Analyse: Wie deine Herzfrequenz dein Stresslevel verrät

Was passiert in unserem Körper, wenn wir Stress haben?

Stress ist eine normale Reaktion unseres Körpers auf Belastungen. Reagiert unser Körper auf Beanspruchungen, die für ihn außerordentlich sind, schüttet er gewisse Hormone aus, die Vorgänge in unserem Körper aktivieren. Zu diesen Hormonen zählen Noradrenalin, Cortisol, Dopamin und Adrenalin. Unser Körper wird so in den Zustand versetzt, dass wir schnell auf lebensbedrohliche Situationen reagieren können. Diese Reaktion ist auf einen kurzfristigen Zustand ausgerichtet.

Hält dieser Zustand, aufgrund einer Dauerbelastung, über längere Zeit an, erschöpft sich dieses System und es kommt zu Symptomen einer Überlastung:

  • Nervosität
  • Unruhe
  • Schlafstörungen
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • Infekten (schwaches Immunsystem)
  • psychischen Veränderungen

 

Eigentlich sollte hier schnell gehandelt werden, um Schlimmeres zu verhindern, doch oft wird der richtige Zeitpunkt zum Handeln verpasst und erst gehandelt, wenn sich bereits eine Krankheit manifestiert hat.

Hier kann die VNS-Analyse für eine rechtzeitige Diagnose eingesetzt werden.

VNS-Analyse als Frühwarnsystem

Die Analyse des vegetativen Nervensystems (VNS) bietet sich deshalb an, weil unser VNS eine entscheidende Rolle in der Stressreaktion unseres Körpers spielt und zudem eine wichtige Funktion in der Regulierung aller Organsysteme übernimmt.

Die entscheidenden Akteure innerhalb des VNS sind Sympathikus und Parasympathikus. Diese beiden Anteile beeinflussen die sogenannte Herzfrequenzvariabilität, die durch eine Beobachtung der Abstände von Herzschlag zu Herzschlag gemessen werden kann. Diese Art der Diagnostik wird bereits seit vielen Jahrzehnten eingesetzt und ist über einen einfachen Brustgurt möglich.

Seit über 20 Jahren wird erforscht, wie das vegetative Nervensystem auf Stressreize reagiert. So wurde gezeigt, dass mit der VNS-Analyse ein Indikator gefunden wurde, für die Fähigkeit des Körpers adäquat mit internen und externen Stressreizen umzugehen.

Mehr noch, ist diese Methode eine Möglichkeit sehr frühzeitig Veränderungen festzustellen. Das vegetative Nervensystem reagiert deutlich früher als das biochemische System (z. B. die Hormone) des Körpers. Daher spielt die VNS-Analyse eine bedeutende Rolle in der Prävention und frühen Diagnostik.

So läuft eine VNS-Analyse in meiner Praxis ab

Um meinen Patienten den Verlauf ihrer Behandlung aufzuzeigen, messe ich immer vor Behandlungsbeginn das vegetative Nervensystem.

Hierzu setzt sich der Patient in einen bequemen Sessel. Es wird ein Brustgurt um den Brustkorb gelegt, der aussieht wie der einer Pulsuhr. Dann soll der Patient in Ruhe sitzen ohne zu Sprechen oder sich zu Bewegen. Nach 7-10 Minuten ist die erste Messung fertig.

Anschließend findet eine Messung mit getakteter Atmung statt. Hier zeigt mein Messprogramm dem Patienten eine bestimmte Atemtaktung, diese wird vom Patienten mitgeatmet. Beide Messergebnisse liefern wertvolle Erkenntnisse über den Zustand des VNS.

Das erste Ergebnis zeigt den aktuellen Zustand an und lässt einen Rückschluss auf Stressbelastungen bzw. auch Überlastungen zu. Das zweite Ergebnis sollte in der Regel mit der Atemtaktung eine Verbesserung der VNS-Leistung bewirken, hier wird gezeigt, wie schnell sich das VNS erholen kann. Ist diese Verbesserung nur gering oder gar nicht vorhanden, ist das Nervensystem bereits stark strapaziert.

Durch die Erfassung des Alters, Geschlechts etc. des Patienten ist es möglich aus einer Datenbank von tausenden von Vergleichswerten den Zustand des vegetativen Nervensystems sinnvoll zu bestimmen. Mein Messprogramm ist sogar in der Lage zuverlässige Vergleichswerte für Kinder ab 10 Jahren zu liefern.

Theoretisch können auch jüngere Kinder gemessen werden. Jedoch wäre dies nur sinnvoll, um eine Veränderung des Zustandes des VNS im Therapieverlauf festzustellen, eine allgemeine Aussage, ob eine Stressbelastung vorliegt oder nicht, ist hier nicht möglich, da die Normwerte fehlen. Außerdem ist eine Messung erst dann möglich, wenn das Kind auch 10 Minuten still dasitzen kann.

Während der Therapie kommt es vereinzelt zu Vergleichsmessungen, damit ich abschätzen kann, ob ich die Behandlungen anpassen muss.

Am Ende meiner Behandlungen kommt der Patient zu einem gesonderten Termin in die Praxis und wird zum Abschluss nochmal gemessen. So werden die Auswirkungen der Behandlungen für den Patienten dokumentiert.

Mir ist es wichtig, die Ergebnisse meiner Arbeit auch objektiven Kriterien wie einer solchen Messung zu unterziehen. Außerdem hilft es den Patienten auch motiviert am Ball zu bleiben, wenn sie die Ergebnisse sehen.

Messergebnisse der VNS-Analyse

Hier exemplarisch ein Messergebnis einer VNS-Analyse vor einer Behandlungsserie mit Vitkuna.

Bei diesem Patienten ist (siehe Diagramm unten) HF (lila) die durchschnittliche Herzfrequenz über den gemessenen Zeitraum, SI (Stressindex nach Baevsky, rot) die sympathische Aktivität und RMSSD (Root Mean Square of Successive Differences, blau) erfasst worden.

Das sehr übersichtlich gestaltete Ampelsystem, ist sehr intuitiv verstehbar, jedoch Bedarf es einer professionellen Auswertung, um die einzelnen Parameter auch richtig einzuordnen.

Hier sind nur die wichtigsten Parameter, die gemessen werden, abgebildet.

Ich nehme mir die Zeit meinen Patienten ihre Ergebnisse ausführlich zu erklären. Außerdem gebe ich Tipps und Ratschläge, wie man im Alltag dazu beitragen kann, Stress abzubauen und das vegetative Nervensystem zu stärken. Meine Patienten sind meine Kotherapeuten, die aktiv lernen sollen, ihr Leben gesund zu gestalten.

Die wichtigsten Vorteile der VNS-Analyse auf einen Blick

  • einfache und schnelle Messung mit einem Brustgurt ohne invasive Eingriffe wie eine Blutabnahme
  • sofortige Auswertung durch den Therapeuten
  • sehr frühzeitig sind Veränderungen feststellbar, noch bevor andere Systeme auf eine Überlastung reagieren
  • Möglichkeit der Prävention (Vorbeugung) von stressbedingten Erkrankungen

Stress bei Kindern und Eltern

An einer Studie der Bepanthen Kinderförderung gemeinsam mit der Universität Bielefeld haben 1.100 Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren teilgenommen.

Das Ergebnis der Studie beschreibt die Stiftung als “alarmierend”:

“Betroffen von Stress sind heute beinahe jedes sechste Kind und jeder fünfte Jugendliche.”

Die Symptome von Kindern und Jugendlichen, die unter Stress leiden, sind oft anders als bei Erwachsenen. Außerdem können die Kinder ihr Empfinden nur schwer artikulieren.

Aber auch wir Eltern können unseren Kindern nur so viel geben, wie wir selbst haben. Wenn unsere eigenen Energietöpfe leer sind, ist es für uns umso schwieriger geduldig, aufmerksam und liebevoll Alltagssituationen zu meistern.

Wenn du feststellst, dass du oft gereizt reagierst und ungeduldig mit deinem Kind bist, wäre auch für dich eine Stressprävention ratsam.

Es reicht also nicht als gute Mama oder Papa nur für das Kind zu sorgen, sondern man muss auch etwas für sich tun.

Du bist die wichtigste Ressource für dein Kind!

Falls du den Stresspegel deines Kindes oder von dir messen lassen möchtest und gemeinsam mit mir an dem Thema Stressprävention arbeiten willst, melde dich zu einem kostenlosen Informationsgespräch.

Quellen:

Bortfeldt, Stephan Dr., Stress und Burnout: Diagnostische Optionen und innovative therapeutische Ansätze, „Die Naturheilkunde“, 97. Jahrgang

https://www.bepanthen.de/kinderfoerderung/sozialforschung/stress-bei-kindern/

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