5-Punkte-Formel für selbstbewusste Kinder

Hier findest du 5 sanfte Wege, um deinem Kind zu einem starken Selbstbewusstsein zu verhelfen, ohne es zum Egoisten zu erziehen.

Oft wird Selbstbewusstsein mit Egoismus in Verbindung gebracht. Deswegen hören Eltern auch oft, wenn sie ihre Kinder mitbestimmen lassen, dass sie so zu egoistischen kleinen Früchtchen heranwachsen.

Das ist aber kompletter Quatsch! Es gibt NICHTS aber auch GAR NICHTS Schlechtes an einem starken Selbstbewusstsein.

Selbstbewusste Kinder braucht die Welt

Im Gegenteil, wenn ich ein starkes Selbstbewusstsein habe, kenne ich meine eigenen Grenzen, meine Vorlieben und kann diese kommunizieren. Ich weiß, wer ich bin und was ich kann. Ich kann mich gegenüber Menschen, die mich angreifen, zur Wehr setzen und lasse nicht alles mit mir machen. Gleichzeitig fühle ich mich als Mensch wertvoll. Ich habe meinen Selbstwert erkannt.

Mit diesen Voraussetzungen fühle ich mich nicht gleich bedroht, wenn andere Menschen in mein Leben kommen, die auch Ansprüche stellen oder wenn ich etwas teilen soll, zum Beispiel mit Geschwistern.

Mit einem starken Selbstbewusstsein probiere ich gerne Neues aus und entscheide dann, ob das etwas für mich ist oder nicht. Ich habe keine Angst vor neuen Herausforderungen und ich verurteile andere Menschen nicht, nur weil sie anders sind und mir das fremd ist. Ich gehe auf andere Menschen zu und schließe Freundschaften.

Selbstbewusste Kinder sagen „Nein“, wenn sie etwas nicht möchten. Sie sind keine „Ja-Sager“, die ihre eigenen Bedürfnisse für andere zurückstellen, um gemocht zu werden. Wenn sie etwas für andere tun, dann kommt das direkt von Herzen.

Selbstbewusste Kinder sehen den Wert, den sie sich selbst beimessen auch im anderen und müssen sich nicht über ihn stellen, um sich wertvoll zu fühlen.

Das ist echtes menschliches und empathisches Selbstbewusstsein. Das kann unsere Gesellschaft gebrauchen und gleichzeitig ist es eines der größten Geschenke, die du deinem Kind mit auf den Weg geben kannst in ein glückliches Leben.

In diesem Blogartikel erfährst du 5 Wege, wie du solches Selbstbewusstsein in deinem Kind wecken kannst.

1. Akzeptiere ein „Nein“

Ich seh schon dein Gesicht vor mir und vielleicht hast du bei der Überschrift kurz überlegt, ob du überhaupt weiterlesen sollst.

Mir ist durchaus bewusst, dass wir leider nicht jedes „Nein“ unseres Kindes akzeptieren können. Mein Sohn sagt derzeit immer „Nein“ zum Windelwechseln. Und dieses „Nein“ meint er sehr ernst, so wie er sich dagegen sträubt. Mit viel Singen und viel Ablenkung klappt es meistens (leider nicht immer) ohne größere Widerstände und auch mit etwas Spaß für beide Seiten.

Dennoch gibt es weniger essentielle Dinge, bei denen dein Kind mitbestimmen kann. Zum Beispiel wenn dein Kind noch nicht ins Haus gehen will, sondern draußen weiterspielen möchte. Dieses „Nein“ kann schonmal akzeptiert werden.

Vielleicht siehst du dich jetzt noch um 23 Uhr im Garten Sandkuchen backen. Keine Sorge, so sollte es nicht sein. Auch sollte dadurch nicht deine Autorität untergraben werden. Dieses Gefühl beschleicht mich oft (vielleicht auch meinem Studienberuf „Lehrerin“ geschuldet), wenn ich mich nicht konsequent genug durchsetzen kann.

Aus Sicht deines Kindes ist es ein genialer Erfolg für das eigene Grenzensetzen, wenn ich zum Beispiel durch ein „Nein“ mein Spiel, das mir Spaß macht, fortsetzen kann. Das schließt nicht aus, dass Mama oder Papa eine Zeitgrenze setzen. „OK, dann spiel noch 10 Minuten draußen und komm anschließend ins Haus.“

Nochmal um das klarzustellen: Ich kann nicht in jeder Situation ein „Nein“ meines Kindes akzeptieren, vor allem nicht, wenn es um die Sicherheit und Gesundheit meines Kindes, von mir oder von anderen geht. Aber in den Situationen, in denen ich eine Mitsprache ermöglichen kann, kann ich dazu beitragen, dass sich mein Kind als Mensch gesehen und gehört fühlt.

Wenn ich dich als meine(n) Leser(in) richtig einschätze, machst du das sowieso schon, aber ab jetzt ohne schlechtes Gefühl, dein Kind zu verwöhnen, sondern mit dem guten Gefühl sein Selbstbewusstsein zu stärken.

2. Gib deinem Kind den Freiraum selbst zu wählen

Damit meine ich nicht, dass sich dein Kind selbst entscheiden soll, ob es lieber auf dem Blatt oder an der Wand malt. Oder ob es heute Schokolade oder Kartoffeln mit Gemüse zu Mittag gibt.

Mit solchen Ratschlägen sind viel zu viele Klischees der anti-autoritären Erziehung verbunden. Das führt leider dazu, dass manche Eltern keine Ideen zur Umsetzung entwickeln, sondern aus Angst ihre Kinder verlieren den Halt, lieber mögliche Freiräume einschränken.

Dagegen spricht aber einiges. Wie soll ein Kind denn später entscheiden können, wo seine Vorlieben und Stärken liegen, wenn es nicht gelernt hat, sich selbst für Dinge zu entscheiden und sich daran zu begeistern?

Hier bekommst du Ideen zur aktiven Umsetzung von Wahlfreiheiten:

Grundsätzlich gilt: Lass dein Kind sich zwischen Möglichkeiten entscheiden, die realistisch sind und die du auch gutheißen kannst.

  • Garderobe: Lass dein Kind entscheiden, was es anziehen möchte. Achte jedoch zuvor darauf, dass du alle Kleidungsstücke aus dem Schrank entfernt hast, die es nicht anziehen kann, wie das dünne Sommerkleidchen bei Schnee und Eis im Januar. Wenn du den Kleiderschrank nicht ausräumen willst, kannst du auch die Wahl einschränken: „Möchtest du die grüne oder die blaue Hose anziehen?“
  • Essen: Wenn du deine Einkaufsliste schreibst, beziehe dein Kind mit ein und frage, was es diese Woche essen möchte. Dein Kind muss nicht jeden Tag entscheiden können, was es zu Essen gibt, aber du kannst ihm ab und an die Wahl überlassen oder es kann sich aus verschiedenen Varianten eine aussuchen.
  • Hausarbeit: Wenn dein Kind im Haus mithilft, kannst du es zwischen den zu verrichtenden Tätigkeiten entscheiden lassen. Hier gilt auch wieder, schränke die Auswahl so ein, dass die Tätigkeiten auch ohne Gefahr machbar sind für dein Kind.

 

Du findest bestimmt noch andere Möglichkeiten, wie du deinem Kind eine Wahlfreiheit ermöglichen kannst. Schau einfach, was für dich am besten passt und womit du dich wohlfühlst.

3. Achte die Privatsphäre deines Kindes

Zu einem guten Selbstbewusstsein gehört es auch, sich zurückzuziehen und bei sich selbst zu sein. Nur so kann ich mich selbst gut einschätzen, mich besser kennenlernen und meinem Bedürfnis nach Alleinsein nachgehen.

Dazu die gute Nachricht: „Du musst dein Kind nicht immer beschäftigen.“ Es tut deinem Kind auch gut, wenn es ab und zu alleine spielt und so die Welt entdeckt. Natürlich musst du dein Kind je nach Alter beaufsichtigen!

Wenn dein Kind schon größer ist, ist es vollkommen in Ordnung, wenn es sich auch mal alleine zurückziehen will, idealerweise ins eigene Zimmer ohne Störungen von Geschwistern.

Sieh das nicht als Abweisung dir gegenüber, sondern als Chance für dein Kind sich selbst zu finden.

Sollte dein Kind Tagebuch schreiben, sei respektvoll gegenüber seiner Privatsphäre und lies es nicht. Dein Kind sollte darauf vertrauen können, dass du seine gesetzten Grenzen respektierst.

Nur so können unsere Heranwachsenden lernen, auf die eigenen Bedürfnisse zu hören, wenn sie von der Außenwelt auch respektiert und nicht kleingeredet oder missachtet werden.

4. Spreche mit deinem Kind auf Augenhöhe

Dein Kind ist von Anfang an ein vollwertiges Familienmitglied, das mit all seinen Eigenschaften auf diese Erde kommt und sein Potential entfalten möchte. Um das zu tun, will es seinen Willen zum Ausdruck bringen.

Vielleicht ist es gut, wenn man sich das manchmal wieder ins Gedächtnis ruft. Oft ertapp ich mich dabei zu denken: „Das macht er doch jetzt nur, um mich zu ärgern.“

Das stimmt so aber nicht. Zuerst ist der Wille da, sich selbst zum Ausdruck zu bringen. Das Kinder dafür manchmal Wege wählen, die uns Erwachsenen überhaupt nicht in den Kram passen, ist nicht unbedingt verwunderlich. Denn sie machen sich einfach viel weniger Gedanken als wir um eventuelle Hindernisse und Gefahren.

Später wenn die Kinder älter sind, wissen sie genau, wo unsere Schwachpunkte liegen. Dann kann so ein Verhalten auch ein Schrei nach Aufmerksamkeit sein.

Damit dein Kind nicht nach Aufmerksamkeit schreien muss, gib sie ihm und lass es seinem Willen auch Gehör verleihen.

Eine Möglichkeit dafür ist die Familienkonferenz. Entscheidungen, die die ganze Familie betreffen, können in einer Konferenz besprochen werden. Hier können auch deine Kinder ihre Meinung äußern.

Welche Entscheidungen dort besprochen werden, habt ihr als Eltern natürlich in der Hand. Beispielsweise wären das Urlaubsziel und größere Anschaffungen in der Familie geeignete Themen. Außerdem kann man gemeinsame Ausflüge oder Vorhaben besprechen. Auch gemeinsame Einsätze in Haus und Garten können geplant werden.

Schön ist es, wenn die Eltern den Kindern nach gemeinsamen Aktionen ein positives Feedback zu ihrem Engagement geben. Das stärkt das Selbstbewusstsein zusätzlich!

Zum Thema „Loben“ werde ich noch einen extra Blogartikel verfassen. Da gibt es viel zu schreiben.

5. Sei echt, empathisch und bedinungslos wohlgesonnen

So viel auf einmal? Ja, das sind die Zutaten für eine gute Beziehung nach Carl R. Rogers.

Ich bin ein großer Fan von ihm. Er hat die klientenzentrierte Gesprächstherapie als eigenständige Psychotherapie etabliert und alle Richtungen der Psychotherapie nutzen seine Bedingungen für den Aufbau einer guten Beziehung zu ihren Patienten.

In meiner Masterarbeit für mein Studium in Cambridge habe ich die Bedeutung seiner Arbeit für den Lehrberuf analysiert. Man kann sein geniales Rezept für alle Beziehungen anwenden, besonders für die Beziehung zu unseren Kindern.

Auch hierüber wird es einen eigenen Blogartikel geben. Ihr drüft gespannt sein.

Für das Selbstbewusstsein deines Kindes ist eine gute Beziehung zu dir als Mama oder Papa das Wichtigste überhaupt! Es gibt nichts Wichtigeres!

Auf einer stabilen Bindung kann ein Fundament für ein riesiges Gebäude errichtet werden. Für eine unerschütterliche Persönlichkeit, die resilient ist. So können Herausforderungen des Lebens gemeistert und auch tieferschütternde Ereignisse verarbeitet werden, ohne dass die Seele schaden nimmt.

Hier kurze Erklärungen zu den Zutaten für eine gute Beziehung zu deinem Kind

Echt sein

Kommuniziere deine eigenen Gefühle auf erwachsene Weise. Drücke aus, was dich als Elternteil ärgert, beschäftigt, aber auch was dich freut und wo dein Herz höher schlägt.

Auf „erwachsene Weise“ bedeutet, dass du diese Gefühle deinem Kind nicht mit barschen Äußerungen vor die Füße wirfst, sondern ihm möglichst ruhig erklärst, wie es dir gerade geht und wo deine Grenzen sind. Gegebenenfalls auch, wo dein Kind deine Grenzen überschritten hat.

So lernt dein Kind automatisch die Grenzen von anderen zu respektieren und zu achten. Du hast mindestens genauso ein Recht darauf, dass deine Grenzen gewahrt werden, wie dein Kind das Recht darauf hat. Vergiss das bitte nicht!

Empathisch

Versuch dich in dein Kind hineinzuversetzen und verbalisiere diese Versuche. „Du bist gerade ärgerlich und wirfst alles auf den Boden, weil du nicht Computer spielen darfst.“ So bleibst du auch bei der Sache und wirst nicht persönlich.

Dein Kind kann seine Emotionen selbst besser verstehen, wenn sie von jemandem außerhalb beobachtet werden und verbalisiert werden. Außerdem kann man so Missverständnissen vorbeugen, zum Beispiel: „Nein, Mama. Ich bin sauer, weil Frederick heute keine Zeit hat mit mir zu spielen.“

Schon kommt eine Kommunikation in Gang und es ist nicht nötig, dass ihr böse aufeinander seid. Dein Kind fühlt sich auf einer tiefen Ebene verstanden und wertgeschätzt. So kann es sich selbst auch besser wertschätzen.

Bedingungslos wohlgesonnen

Du liebst dein Kind sowieso, egal was es tut. Manchmal gerät diese Verbundenheit und diese große Liebe in den Hintergrund, wenn der Alltag zuschlägt. Lass dein Kind trotzdem immer spüren, auch wenn du es kritisierst für sein Verhalten, dass du es liebst.

Das ist nicht immer einfach! Aber es ist immer einen Versuch wert!

Der Tonfall kann hier schon helfen. Du kannst Begründungen für deine Entscheidungen liefern, die nicht persönlich sind, sondern sachlich bedingt.

„Auch wenn du heute nicht mit Frederick spielen kannst, kann der Tag trotzdem noch schön werden. Wirf die Sachen nicht herum, sondern lass uns lieber überlegen, was du stattdessen machen kannst, was dir Spaß macht.“

Umsetzung im Alltag

Ich weiß, dass viele der genannten Punkte in der Umsetzung sehr herausfordernd sein können. Schaffen werde ich das selbst nicht immer und du solltest dir auch nicht abverlangen, immer alles perfekt zu machen. Es erzeugt nur Druck und der lässt uns verbissen werden, statt kreativ und einfallsreich.

Deshalb verzeih dir großzügig, wenn du das nicht immer schaffst und wertschätze deine Versuche.

Ich wünsche dir viel Erfolg dabei und lass mir gerne einen Kommentar da, wenn du deine Erfahrungen teilen willst!

Alles Liebe

Martina

P. S.: Meine Liste ist nicht abschließend und für den ein oder anderen, wird nicht jeder Weg zur Förderung seines Kindes passend sein. Such dir einfach aus, was für dich stimmig ist. Nimm alles andere als Ideen und liebgemeinte Anregungen.

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